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MEIN GARTEN - Vorbemerkung
Vieles
in Gardone Rivera erinnert an Räume und Landschaften der Filme Luchino Viscontis.
Es sind Blicke und Einsichten in ein Damals, als Damen noch kunstvolle Hüte
mit Schleier trugen und Zofen ihnen im Ankleidezimmer Satinhandschuhe aus nach
Lavendel duftenden Garderoben reichten. Etwas Verwunschenes beherrscht den
Ort, eine Langsamkeit und Trägheit, als wäre die Zeit nicht zuständig
für dieses
erste wirkliche Stück Süden, das den Reisenden, der von Riva durch die
zahllosen Tunnel der Gardesana Occidentale gekommen ist, empfängt. Eine Promenade
gibt es, deren Fundamente in den See gebaut wurden. Sie ist von großen Oleandern
und Orangenbäumen bewohnt. Dort findet man Kaffeehäuser mit Billardsalons.
Wer am Ufer flaniert, sieht in der Ferne den häufig, bis in den Mai, mit Schnee
bedeckten Monte Baldo als eine Art letzte Behauptung der Alpen aufragen und
ziemlich nahe im Wellenspektakel jene lang gestreckte Zypresseninsel, die der
heilige Franziskus am Beginn seines Weges als Refugium wählte.
Gardone Rivera besteht aus zwei Teilen: der Häusergruppe am Wasser und einer
weiteren am sanften Hang bei der Kirche. Die Einheimischen sagen tatsächlich
Untenort und Obenort. Das Elegante ist dem Unten zugehörig: das Grand Hotel,
dem Stefan Zweig durch seine Novelle «Untergang eines Herzens» eine Verbindung
mit der literarischen Ewigkeit schuf, die Cocktailbar, in der Winston Churchill
sich vom Malen ausruhte, die Anlage des Hotel Savoy, das um 1900 den adeligen
Kurgästen aus Russland, Schweden und anderen Zonen des Fröstelns allabendlich
einen Ball mit großem Orchester offerierte. Das Oben ist bäuerlicher, weiß mehr
von Oliven und trockenem Grappa und manchmal ziehen noch fromme, betende Frauen
mit einer Marienstatue durch die verwinkelten Gassen. Ihre Großväter haben vielleicht
als Knechte bei dem schillernden Monster Gabriele D´Annunzio gearbeitet,
dessen luxuriöser Wohnsitz, neun Hektar groß und Gardone gelehnt, von einer
kriegs- und blutopferverherrlichenden, luxuriösen Hybris kündet, die nicht
umsonst Mussolini viel bedeutet hat und mich abstößt.
Verbunden sind Untenort und Obenort durch ein Gebiet der Sinnlichkeit und magischen
Stärke: den Giardino Botanico. Eine Florasammlung von Weltgegenden ist es,
Afrika und Südamerika, Asien, Europa und Australien ineinander verwoben.
Edelweiß inmitten von Orchideen wiesen, meterhohe Baumfarne neben Granatapfelwundern.
Bäche und Wasserfälle, Teiche mit heiligen Koi-Karpfen, Forellen und
Spiegelungen des Libellenfluges, Hügel aus Dolomitgestein neben Kakteen
und Efeutürmen. Indische und marokkanische Skulpturen in Harmonie mit Installationen
von Roy Lichtenstein, Susanne Schmögner, Mimmo Paladino und Keith Haring.
Diesem Paradies gehöre ich seit 1988 und es hört nicht auf, mich zu
erstaunen und mit Freude auszustatten. Der Zahnarzt des letzten Zaren, Dr. Arthuro
Hruska, war der Begründer dieses Glücks, in dem sich auch eine venezianische
Villa befindet, die mein gesegnetes Zuhause wurde. Wenn ich von einem der Balkone
auf die Herrlichkeit des Gardasees oder in eines meiner Bambuswäldchen schaue,
fällt es mit immer noch schwer zu glauben, dass dieser Park mich als Hüter
und Verbündeten wollte, und ich danke es ihm, so gut ich kann, mit Liebe.
André Heller
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